Nach 32 Tanzterminen (+ 2, 3, die wir vergessen haben) in 5 Jahren von und mit Herrn Al-Deen, Begleitung und uns war es dieses Dunkle am Ende, das Ungewisse (keine neuen Tanztermine in Sicht – was kommt nach Best Of?), dieses Ehrwürdige (Amphitheater – eine tolle Location mit Laith-Tradition), dieses Verrückte (2 Lotten im Zug, Einfall im Kaff Hanau, das Gejammer im Chor “ich habe Durst, Hunger, mir tut was weh” und minutenlange Lachanfälle gepaart mit Frauenthemen, die die Plünderung von Biervorräten aus dem Hotelkühlschrank und stundenlangen Quatscherei zur Folge hat) was UNS DOCH NACH HESSEN TRIEB. Extra Nutella gekauft, sich beim DB Service-Point brav in die Schlange gestellt, um die 2 Zugtickets von Berlin nach Hanau zu erwerben.
Hört sich und liest sich reibungslos, ist es aber seit mehr als 10 Lottenjahren nicht. Wir wissen noch heute, was wir taten als Lady Di starb und ich weiß noch, was ich fühlte, als wir vom ersten Konzert vom Lieblingssänger beschwipst den Columbiadamm in Berlin entlang liefen zurück zum Auto. Da war aber kein Auto mehr – abgeschleppt.
Irgendwas war, ist immer!
Diesmal begann der Lottenausflug amüsiert. M85 zum Hauptbahnhof und der Busfahrer als persönlicher Fremdenführer. Wir waren Ohrenzeuge einer Spezie, bei der wir dachten, sie sei in Berlin schon ausgestorben: Ein witziger Busfahrer, der zu fast jeder Station einen Tipp hatte. Im Regierungsviertel wäre Marco Polo neidisch geworden und dann 1A alles noch mal in Englisch. Am Washingtonplatz sprach er: „Für Fahrgäste mit viel Gepäck und Ziel Hauptbahnhof empfehle ich Ihnen hier auszusteigen. Das ist der kürzeste Weg zu den Gleisen”. Wir stiegen aus.
So kurz der Weg zu den Gleisen war, um so dramatischer die Abfahrt. Wir hatten reserviert. Standen am richtigen Wagen, konnten aber nicht einsteigen. Omi, Opis und sonstige unerfahrene Zugfahrer liefen einfach nicht weiter, suchten ewig ihren Platz oder wuchteten Stunden den Koffer auf die Ablage. Ergebnis: Es standen noch Mitfahrer auf dem Gleis und konnten nicht einsteigen. Auch die Lotten. Obwohl ich mit unserem Gepäck schon dreiviertel drin war, stand Kleinlotte mit unseren grande Starbucks-Kaffees auf dem Gleis als der Signalton der Türen ertönte … Ich fing im gleichen Moment an zu brüllen: “Neiiinn, komm rein!” und versuchte ihren Ärmel zu greifen. Gott seit Dank standen noch andere Menschen in der Türschranke, sodass Sekunden später alle noch fehlenden Fahrgäste sich wie die Japaner in die U-Bahn zur Rush Hour in den ICE schiebten. Und meine Lotte + Kaffee war drin. Es dauerte noch Minuten bis wir die nur 1 Meter entfernten Plätze erreichten, in die Sessel sanken und tief durchatmeten.
Das war das Einstiegsdrama. Es gibt natürlich auch ein Ausstiegsdrama. Wir verlassen entspannt den Zug, durchquerten den Provinzbahnhof von Hanau und steuerten auf die Taxis zu. Ich sage: „Nein, nicht das Erste. Ich habe ein schlechtes Bauchgefühl.“ Blieb aber nicht hartnäckig, so nahmen wir doch das erste Taxi in der Reihe. Ein Inder (Vermerk: Ich habe nichts gegen Ausländer, ich wohne in Berlin.), der kaum Deutsch sprach und wahrscheinlich den ersten Tag Taxifahrer war, denn er fragte uns tatsächlich zuerst: „Kennen Sie den Weg?“ Wir schauten uns an: „Nein, wir sind nicht von hier!“ Er fuhr im Schrittempo los und rief irgendjemanden an, sprach in seiner Muttersprache, ich konnte nur die Straße, in die wir wollten, heraus hören. Das Taxometer lief munter. Er war unsicher, verfuhr sich 2 mal und verlangte dann den vollen Preis. Frechheit und nicht mit den Lotten. Ich: „Ich geb Ihnen 16 Euro! Hier haben Sie 20 Euro, geben Sie mir bitte 4 Euro raus!“ Er schluckte, fing an zu diskutieren, wir diskutierten mit. Zerknirscht gab er mir 4 Euro und verfluchte uns.
Einige Stunden später. Wir riefen wieder ein Taxi um ins Amphitheater zu kommen. Um die Ecke biegt ein identisches Auto, wie das, in das wir am Bahnhof einstiegen. 5 Meter vor uns und ich sah: Es ist das selbe Auto. Scheiße noch mal, gibts in Hanau nur ein Taxi? Kleinere Entwarung: Es war nicht der selbe Fahrer. (wir wären sonst auch nicht eingestiegen!!! sondern gegen unsere Natur gelaufen!!!!). Es war auch ein Inder (nein, ich habe nichts gegen Ausländer), nur jünger. Vielleicht sein Sohn? Er fuhr nicht das erste Mal Taxi, sprach aber nicht. Volle 15 Minuten, solange dauerte die Fahrt, gingen mir die Gedanken durch den Kopf, dass der „Vater“ ihm die Geschichte erzählt hat, er uns jetzt in den Wald karrt und unsere Einzelteile in Müllsäcke verpackt. Wir kamen ohne Zwischenfälle an, mussten aber erneut tief durchatmen und überlegten schon, wie wir nachts zurückkommen, ohne erneut in Wagen 80 oder in Müllsäcken zu landen.
Dann kams: Die Lotten hatten Hunger, seit Stunden und endlich gabs Bier und Brezeln. Und siehe da, es wurde immer besser: Viele, liebe Menschen wieder getroffen und umarmt. Und gabs eine weitere Steigerung? Ja! Das Konzert war toll. Wir haben es aufgesogen, inhaliert, jede Note, jede Zeile. „Kleine Helden“ in Hanau, ach was schreib ich: „Große Helden“. Und ich spürs, das wars nicht. Irgendwann, irgendwo, gehts weiter mit tanzen, singen, lachen, euch und den Lotten-Musik-Trips. Wir freuen uns drauf!
Und zum Schluß wollen wir noch mal dem Titel gerecht werden. Unser Taxi (juhu, es war kein orientierungsloser Inder in Wagen 80) am Sonntagmorgen rast über die Schnellstraße, um uns pünktlich beim Zug, der uns wieder nach Hause in unsere Bärenstadt bringt, abzuladen. Einige Schweißperlen auf der Stirn, weil die Lotten sich mit der Hotelinhaberin verquatscht haben – aber dazu ein andermal. Mit quietschenden Reifen biegen wir 5 Minuten vor Abfahrt auf den Vorplatz und nehmen die Beine in die Hände. Im Augenwinkel, wir waren schon fast an der Anzeigentafel vorbei, las ich: Der Zug fällt heute aus! WIE??? Schreckminuten, Meckerminuten folgten. Doch 10 Minuten später kam ein Ersatzzug aus Stuttgart angerauscht. Übermahnt von Freude (anders kann ich es mir nicht erklären) verloren sich die Lotten beim Einsteigen im kilometerlangen ICE. 2 Anrufversuche und 1 Telefonat später fanden wir uns kurz hinter dem Restaurant wieder und bewältigten nun aber wirklich schweißgebadet den Fußmarsch bis ans andere Ende, zu unseren Plätzen.
Irgendwas ist immer! :-)
Lustige Story! Wenn Du schon nicht reden kannst, schreiben kannst Du noch! :-)
Tjaaaajaaa… Die DB ( und die anderen “öffentlichen” verkehrsmittel..).. ich hätte euch doch besser meinen Freund mitgeschickt nach Berlin und hätten euch zum Hotel gefahren…
Es war soooo schön euch wiedergesehen zu haben :o) Beim Besuch in der Haupstadt haben wir bestimmt auch mehr Zeit zum quatschen.
Ich finde du hast übrigens echt tapfer durchgehalten!
Bussi und weiterhin gute Besserung
Erkenntnisse des Wochenendes:
Umso später die Stunde, umso diffuser die Gesprächsthemen mit dazugehörigen Lachanfällen und man kann sich in Lockenstäbe verlieben!
Umso später, umso neugieriger ;-) und “Air Stylist Ion” redet noch immer von dir.
@Sandy: Bussi zurück! Mir gehts von Tag zu Tag ein wenig besser. Wann biste in Berlin???